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Keine Lehrstelle abbekommen

Es gibt mehr freie Stellen als Bewerber. Dennoch sind auch in diesem September junge Leute leer ausgegangen, als es um ihren Startplatz in das Berufsfeld ging. Warum das so war, zeigt ein Blick hinter die Statistik.
Groß ist das Angebot an Lehrstellen. Dennoch gibt es junge Leute, die sich schwer tun, einen Ausbildungsplatz zu finden. In Bildungsmaßnahmen der Agentur für Arbeit begleiten Berufspädagogen wie Ines Schwarz (rechts) Suchende wie Sabrina (links) bei ihren Bemühungen. Foto: Ramona Popp
Groß ist das Angebot an Lehrstellen. Dennoch gibt es junge Leute, die sich schwer tun, einen Ausbildungsplatz zu finden. In Bildungmaßnahmen der Agentur für Arbeit begleiten Berufspädagogen wie Ines Schwarz (rechts) Suchende wie Sabrina (links) bei ihren Bemühungen. Foto: Ramona Popp
Lichtenfels – Eigentlich bräuchte er sich ja gar nicht zu beschweren, meinte der Sohn von Ines Schwarz eines Tages, als er seinem Schulabschluss entgegen ging. Denn es gebe heutzutage ja mehr Ausbildungsplätze als junge Leute. Er hatte mit seiner Mutter als Berufspädagogin glücklicherweise eine Ansprechpartnerin, die diese Haltung schnell zurechtrücken konnte. „Und woher sollen die Firmen wissen, dass ausgerechnet DU derjenige bist, den sie brauchen?“ Eine gelungene Bewerbungsmappe ist und bleibt ein wichtiger Türöffner. Daran arbeitet Ines Schwarz intensiv mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die es nicht geschafft haben, eine Lehrstelle zu bekommen. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Manchmal liegt es an den Schulnoten, manchmal an problematischen Familienverhältnissen, manchmal an einer gewissen Unreife. Einige haben noch nicht herausgefunden, wo die eigenen Stärken liegen. Und, auch das gibt es, manche haben einfach keinen Bock.

Aus allen Schichten

Um die 45 junge Leute zwischen 16 und 22 Jahren sind aktuell in der Gruppe, um die sich Ines Schwarz als Mitarbeiterin des Bildungsträgers P&S (Praxis und Seminare GmbH) in Lichtenfels kümmert. Bildungsbegleiterin nennt sich ihre Aufgabe, und die berufsvorbereitende Maßnahme, für die sich die Teilnehmer entschieden haben, wird von der Agentur für Arbeit gefördert. „Wir haben alle Schichten hier vertreten“, sagt Schwarz. Es ist ein Kommen und Gehen in dieser Gemeinschaft, denn hin und wieder kommt es vor, dass doch noch einige in ein Ausbildungsverhältnis wechseln oder eine andere Arbeit aufnehmen, oder dass welche nicht mehr kommen dürfen, weil sie ihr Desinteresse mit unentschuldigtem Fehlen unterstrichen haben. Neue, die dieses Bildungsangebot annehmen möchten, können dazukommen. Die Förderdauer beträgt in der Regel neun Monate, ein Einstieg ist jederzeit möglich.

Sabrina will die Zeit für sich nutzen, um ihre Chancen auf dem Ausbildungsstellenmarkt zu verbessern. Sie ist mit 21 Jahren eine der ältesten Teilnehmerinnen, und im Gespräch mit ihr wundert man sich, dass sie nicht längst etwas gefunden hat. Sabrina spricht offen über ihr Manko: zwei noch in der Probezeit abgebrochene Lehrstellen in der Gastronomie. In einer Branche also, in der dringend Personal gesucht wird! Die Arbeitszeiten am Abend und Wochenende sowie die vergleichsweise niedrige Vergütung machen diese Berufe nicht zu den begehrtesten. Für Sabrina waren die Aspekte nicht entscheidend. Sie beschreibt sich als ordentlich und zupackend. Gute Noten hatte sie auch. Doch an dem ersten Ausbildungsplatz seien Arbeitswochen mit 50, 60 Stunden keine Ausnahme gewesen, berichtet sie. „Entweder Du machst es, oder Du gehst“, habe es geheißen, als sie sich damit unzufrieden zeigte. Damals war sie noch nicht volljährig.

„Alles Gute!“

An der zweiten Ausbildungsstelle traf sie auf einen sehr netten Vorgesetzten, wie sie erzählt. Allerdings zeigte er sich machtlos, was die Taktlosigkeit von Kollegen anging. Sabrina spricht von Mobbing. „Das hält man keine drei Jahre durch.“ Dabei, so sagt sie, habe sie versucht, denen alles recht zu machen. Als sie dem Chef ihre Kündigung überreichte, sei dieser zunächst sprachlos gewesen. Dann habe er sich entschuldigt und ihr alles Gute gewünscht.

Gut ist es der jungen Frau seither nicht gerade ergangen. Am Anfang habe sie sich allein gelassen gefühlt. Was Jugendliche in ihrer Situation fehle, sei „der Tritt in den Hintern“, sagt sie offen. Schließlich sei sie aber „selber auf den Trichter gekommen“. Durch Mini- und Aushilfsjobs hat es Sabrina geschafft, für sich selbst zu sorgen. Trotz der Enttäuschungen – von den allein heuer abgeschickten rund 30 Bewerbungen blieben viele unbeantwortet – blickt sie nach vorne, will möglichst schnell einen Ausbildungsplatz finden. Ihre Berufswünsche haben sich mittlerweile verändert. In die Gastronomie zieht es sie nicht mehr so sehr, in der Bildungsmaßnahme hat sie den Bereich Wirtschaft und Verwaltung für sich ausgesucht. Büro- oder Reisekauffrau würde sie gern werden. „Ich wünsche mir, dass Firmen auf diese berufsvorbereitende Maßnahme aufmerksam werden und welche von uns mal von sich aus einladen, zu einem Praktikum vielleicht.“
Solche Kontakte würde auch Ines Schwarz begrüßen. Wenn jemand mit ihrer Unterstützung den Weg in eine Ausbildung schafft, dann ist das für sie ein guter Tag.

Ein unvollständiges Bild:
Zahlen und Fakten vom Ausbildungsstellenmarkt

Kreis Lichtenfels — Von Oktober 2013 bis September 2014 wurden der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg 4609 Ausbildungsstellen gemeldet. Dies bedeutet eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um fast zwei Prozent (plus 87 Lehrstellen). Im gleichen Zeitraum wurden 3958 Bewerber bei der Suche nach einer Lehrstelle unterstützt. Das sind 261 beziehungsweise 6,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. In Lichtenfels lagen die Zuwächse an Lehrstellen bei 11,2 Prozent. Von den 574 blieben 31 unbesetzt.

86 Bewerber auf 100 Stellen

"Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem regionalen Ausbildungsmarkt hat sich weiter erhöht. Die Nachfrage nach Auszubildenden übersteigt seit dem vergangenen Beratungsjahr die Zahl der jungen Menschen, die eine Lehrstelle suchen, sagt Brigitte Glos, Leiterin der Agentur für Arbeit.

Bamberg-Coburg "Auf 100 gemeldete Lehrstellen kommen 86 Bewerber." "Arbeitgeber müssen auch vermeintlich schlechteren Bewerbern eine  Chance geben." Brigitte GlosRein rechnerisch ist die Situation für jene also sehr gut. Trotzdem blieben in diesem Jahr 329 im gesamten Arbeitsamtsbezirk ohne Lehrvertrag. Davon haben sich 300 zur Überbrückung für ein Berufsvorbereitungsjahr oder eine Bildungsmaßnahme entschieden. Gleichzeitig blieben 307 gemeldete Ausbildungsstellen unbesetzt. "Die Anforderungen der Unternehmen stimmen nicht immer mit den Wünschen und persönlichen Voraussetzungen der Bewerber überein", erklärt Glos. Bis Dezember soll durch Telefonate und Betriebsbesuche kräftig nachvermittelt werden. Dabei sei Flexibilität auf beiden Seiten gefragt. Zum einen müssten Arbeitgeber von ihren Idealvorstellungen abrücken und auch vermeintlich schlechteren Bewerbern eine Chance geben. Zum anderen bedarf es der Bereitschaft der jungen Menschen, Alternativen zum Wunschberuf ins Auge zu fassen und Zugeständnisse zu machen, auch im Hinblick auf den Ausbildungsort.

Bei den Mädchen steht die Ausbildung zur Industriekauffrau, bei den Jungen die Lehre zum Industriemechaniker auf Platz 1 der angestrebten Berufe. Viele freie Lehrstellen gibt es laut Brigitte Glos noch im Einzelhandel, auf dem Bau, im Lebensmittelhandwerk und in der Gastronomie. Die Statistik zeigt jedoch ein unvollständiges Bild. Nicht alle, die eine Ausbildungsstelle zu besetzen hätten, melden dies dem Arbeitsamt. Und von 380 Jugendlichen im gesamten Bereich Bamberg-Coburg haben die Berater trotz schriftlicher Aufforderung keine Rückmeldung erhalten. Kann sein, dass diese inzwischen versorgt sind, kann aber auch sein, dass sie vom Arbeitsamt nichts mehr erwarten und frustriert sind.

Handwerk braucht Nachwuchs

Für Handwerksbetriebe mit Bedarf an Auszubildenden hält die Kammer eine eigene Beratungsstelle bereit. Deren Leiterin Christina Spickenreuther ist aufgefallen, dass in den letzten Jahren die Vermittlung häufer in Anspruch genommen wird. In jedem Fall empfiehlt sie suchenden Betrieben, die auf den Internet-Seiten der Kammer angebotene Lehrstellenbörse in Anspruch zu nehmen. An allen Real-, Wirtschafts- und Mittelschulen im Landkreis Lichtenfels habe man Paten für das Handwerk etabliert, betont Spickenreuther. Trotzdem scheint das Handwerk für viele nicht den Traumberuf zu bieten. Jessica Heß, Inhaberin von Hörgeräte-Geuter in Lichtenfels/Coburg, hat den Eindruck, junge Leute strebten eher in große Unternehmen, weil sie sich dort bessere Verdienst- und Arbeitsmöglichkeiten versprechen. Dabei sei beispielsweise der Beruf des Hörgeräte-Akustikers absolut zukunftssicher und abwechslungsreich, nur anscheinend vielen nicht wirklich bekannt. Bei der Ausbildungsmesse in Coburg wird sie weiter Präsenz zeigen, um daran etwas zu ändern.
Quelle: Ramona Popp www.infranken.de

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